07. Oktober 2019

SPAworld Buchtipp: Der eigen-sinnige Mensch Körper, Leib & Seele im Wandel

„Der eigen-sinnige Mensch“ (AT Verlag, Edition Zeitblende, Aarau, 2019) ist das vielgelobte, neue Buch des erfahrenen, psychosomatisch - ganzheitlichen Arztes, Psycho-und Körpertherapeuten Helmut Milz. Es lädt dazu ein, bewusster mit allen Sinnen zu leben, zu verweilen, zu genießen und mitzudenken.  Es ermutigt nachzuspüren, wie sich der eigene Leib und die Welt „drum herum“ anfühlen, wie sie duften und schmecken, sich anhören und ausschauen. Das Buch stellt Beziehungen her zwischen den eigenen Wahrnehmungen, Atmung, Herzaktion, Muskelspannung, Verdauung, Bauchgefühlen, Stabilität der Knochen und den Flüssigkeiten, die in uns fließen.

Der Autor beschreibt, wie wir uns und die Mitwelt mit allen Sinnen erleben und von der Mitwelt durchdrungen und verändert werden. Mit Hilfe der Sinne geben wir unserer Mitwelt einen eigenen „Sinn und Bedeutung“.  Unsere Sinne werden von den Kulturen und Gemeinschaften mitgeprägt, in denen wir leben, aufwachsen und erzogen werden. „Sinn und Bedeutungen“ sind keine fixierten Angelegenheiten, sondern entstehen immer wieder neu in den Beziehungen, in denen wir leben. Wir fühlen uns in die Mitwelt ein und fühlen mit. Wir werden berührt und wir berühren, wir riechen und werden gerochen, wir schmecken und hinterlassen „Geschmack“, wir hören und wollen gehört werden, wir sehen und werden gesehen. Ob wir uns dabei wohl-fühlen und miss-befinden, darauf können wir eigen-sinnig Einfluss nehmen.

Unsere Alltagsprache betont in Redewendungen und Sprach-bildern (Metaphern) die Bedeutungen von „Sinnen, Sinnlichkeit und Sinn“.  Vieles „berührt uns“, manches durchaus „versehentlich, zufällig, ungewollt“,  es „rührt uns an“, „bewegt“ oder  „ergreift uns“. Wir fühlen uns „in unserer Haut wohl“ oder auch nicht; sind „dünnhäutig“ oder „dickfellig“, bekommen eine „Gänsehaut“; möchten nicht „in der Haut eines anderen stecken“; manchen „juckt das Fell“ oder man möchte „jemandem den Pelz waschen“. Geschmacksassoziationen werden oft „im übertragenen Sinn“ gebraucht: „süß“ bewegt sich meist im Rahmen von Wohlgefallen und Freude; „das süße Leben“, „mein Süßer“, „süße Träume“. Es kann sich auch ins Gegenteil wenden: „Rache ist süß“. Was „süßlich“ ist, kann geziert, klebrig oder weichlich wirken. „Ohne Salz fehlt dem Leben die Würze“; manchem droht eine „salzige oder gepfefferte Strafe“.

Jesus nannte seine Jünger „das Salz der Erde“. In früheren Zeiten stand Salz für Reichtum und Macht oder war, als „salair“, Zahlungsmittel der römischen Legionäre (lat. salarium). „Sauer macht lustig“, aber es ist nicht lustig, wenn man auf jemanden „sauer ist“, also ärgerlich oder eingeschnappt. Das könnte mancher „bitter bereuen“ oder gar ein „bitteres Ende“ nehmen, bei man „bitterlich weint“. „Geruch“ leitet sich ursprünglich von „Dampf, Dunst, Rauch“ ab. Unter „Duft“ verstand man „Dunst, Nebel, Tau oder Reif“. Umgangssprachlich sprechen wir vom „guten Riecher“, von „feinem Näschen“ und einer „Spürnase“, von „Duftmarken“ und „Dunstkreis“, von „Flair“ und „Fluidum“, von „Wohlgerüchen“ und Aromen“. Diese Liste lässt sich über alle andere Sinnesqualitäten und Körperorgane fortsetzen. Sie zeigt wie häufig wir im Alltag, meist unbewusst, auf unser Körpererleben Bezug nehmen.

In welchen möglichen Beziehungen diese Redewendungen und Metaphern zu wissenschaftlichen Erkenntnissen über den menschlichen Körper und seinen Sinnen steht, dies wird im Buch „Der eigen-sinnige Mensch“ in vielfältiger und gut verständlicher Sprache erörtert. Dabei zeigt sich, wie sich das Körperverständnis der Heilkunden, von den „Säftelehren“ der Antike und des Mittelaters, über die späteren anatomisch strukturellen Erkenntnisse, die Physiologie und Biochemie, bis hin zu den zeitgenössischen Informationsmetaphern der neurobiologischen Bildgebung und Botenstoffe, immer wieder gewandelt hat und sich weiter verändert.

Alles in allem ein spannendes, gut lesbares, sehr ansprechend und aufwendig gestaltetes Buch, das einerseits in keinem Lese-und Ruheraum von Wohlfühl-Oasen und Spas fehlen sollte und zudem für all diejenigen zu empfehlen ist, die dort für das Wohlbefinden der Gäste und KlientInnen sorgen.

 

Zum Autor:

Helmut Milz, Prof. Dr. med., Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychotherapie und Allgemeinmedizin; langjährige Studien verschiedener Methoden der Körpertherapie. Inhouse-Berater für Gesundheitsförderung bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO); Honorarprofessor für Public Health an der Universität Bremen; Mitglied des Leitungsteams der interdisziplinären „Cortona-Woche“ der ETH Zürich/Zürcher Hochschule der Künste; organsierte Internationale Symposien und Seminare, u.a. „Leib oder Leben“ (Universität Graz) und „Health and Healing“ (Commonweal, Bolinas, CA). Autor u.a. von Ganzheitliche Medizin, Der wiederentdeckte Körper, Körpererfahrungen. Lebt und arbeitet in Marquartstein, Bayern. www.helmutmilz.de

 

Helmut Milz

Der eigen-sinnige Mensch

Körper, Leib & Seele im Wandel

340 Seiten, 32 Farbfotos, gebunden,

ISBN 978-3-03800-029-7,

Edition Zeitblende im AT Verlag, Aarau

€ 38 (D), € 39 (A), CHF 48

 

 

Einige Stimmen zum Buch:

„Der Autor fordert uns auf, mehr Sinn für uns selbst zu haben, weniger achtlos mit uns selbst und anderen, auch der Umwelt, zu sein. Das be-rührt. Ein sanfter Kontrapunkt zur heute oft plumpen Kommunikationskultur, seine Botschaft vom eigen-sinnigen Menschen gewichtig und drängend. Wie wäre es, wenn all die Wellnessschaffenden in dieser Hinsicht sie verinnerlichten und verbreiteten?“ (Lutz Hertel, Gesundheitspsychologe, Vorsitzender des Deutschen Wellness Verband, Düsseldorf)

„Eine ungewöhnliche Reise durch die Sinnenwelt des Körpers, erzählt vom Leib und unseren Körperbildern in den mannigfaltigen Wechselwirkungen mit Kultur, Sprache, Umwelt, Geschichte, Heilkunde, Kunst und Wissenschaft.“ ( Dr. Michael Langer, Deutschlandfunk, Köln, „Zwischentöne“, 06/19)

„Der besondere Gewinn der Lektüre dieses Buches liegt darin, dass der Mensch ganzheitlich betrachtet wird, als einzigartige Einheit, geformt durch vielerlei Einflüsse. Es zeigt uns, wie ähnlich und gleichzeitig verschieden die Menschen sind. (Ingrid Mosblech-Kaltwasser, lifestylesite.de, Düsseldorf)

„Bietet ein wahres Füllhorn an historischem und brandaktuellem Wissen.  .. schafft das Kunststück, Wissens- und Erfahrungsgebiete zu einer Synopsis zusammen führen, sehr übersichtlich und angenehm leicht lesbar.“ (Dr. Helga Pohl, Körpertherapeutin, Starnberg)

„Dieses liebevoll gestaltete Buch ist ein Geschenk, das Ärztinnen und Ärzte ebenso erfreuen kann, wie Patienten, Gesundheitspolitiker - alle, die im Gesundheitswesen handeln und behandelt werden“ (Dr. Ellis Huber, Berlin)

Beeindruckend, wie viel an Wissen aus Bereichen, wie Literatur, Musik, Malerei, Kultur- und Sozialgeschichte, Theologie und Philosophie, der Autor in sein Buch einzubringen wusste … Überaus interessant und lesenswert.“ (Dr. phil. Barbara Denscher, Kulturblog Flaneurin.at, Wien)

„Eine Ode an unsere selbst tätige Intelligenz, ein Appell an den kritischen und den selbst erforschenden Geist in uns.“ (Nele Pintelon, Spuren Magazin, Winterthur)

„Ein ausgesprochen lesenswertes und gelungenes Manifest zur Bedeutung eines wohlverstandenen „Eigensinns“, der für uns Menschen auch eine unverwechselbare Individualität in unserem (Er-)Leben bedeutet ….  Ich möchte es allen ans Herz legen, die mit wachen Sinnen ihr Leben gestalten wollen.“   (Prof. Gerd Glaeske, Gesundheitswissenschaftler, Bremen)

„eine bewusste Anerkennung der Eigentätigkeit der Natur sowie die Natürlichkeit des Menschen und seiner Leiblichkeit, die unser Gespür und Mitempfinden für die allumfassende Präsenz des anderen, auch des Wassers umfasst. … eine Haltung des achtsamen Umgangs mit den eigenen Sinnen und Empfindungen.“ (St. Leonhards Akademie, Inzell)

„Das neue Buch von Helmut Milz ist hierzu eine  randvoll gefüllte Schatztruhe von (sinn-fälligen)/ originellen Denkanstößen und Anregungen.“ (Dr. Dieter Kallinke, Heidelberg)

Zurück